Bundesregierung kappt Förderung: Weniger Geld für Sanierung und Heizungstausch

Bundesregierung kappt Förderung: Weniger Geld für Sanierung und Heizungstausch

Ohne große Vorankündigung hat die Bundesregierung Bauherren und Sanierungswillige Ende Juli vor vollendete Tatsachen gestellt: Die 'Bundesförderung effiziente Gebäude' (BEG) wurde quasi 'ab sofort' in wesentlichen Teilen geändert - vieles wurde geküzt, manches sogar komplett gestrichen.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz begründete den kurzfristigen Schritt mit der Notwendigkeit, 'Vorzieheffekte' zu vermeiden und die Förderangebote aufrechtzuerhalten. Erst im Frühjahr hatte der Run auf einzelne auslaufende Programme zu einem kurzfristigen Förderstopp geführt, insbesondere im Neubaubereich wurden die Mittel daraufhin erheblich gekürzt. Die neuen Änderungen (für 2023 wurde bereits eine weitere grundlegende Überarbeitung angekündigt) treffen nun auch klassische energetische Sanierungsmaßnahmen empfindlich.

Hier die wichtigsten Änderungen im Überblick:

Kaum noch Förderung für den Neubau

Der Fördersatz im Neubau bei Erreichen des Effizienzhaus-/Effizienzgebäude 40 - Standards mit NH-Klasse („Nachhaltigkeit“) betrug zuletzt noch 12,5 %. Er wird nun noch weiter auf 5 % gekürzt (Ausnahme: Kommunen). Ab Anfang 2023 sind weitere Änderungen geplant.

Förderung von Einzelmaßnahmen nur noch als Zuschuss

Einzelmaßnahmen zur Sanierung der Gebäudehülle, Anlagentechnik oder zur Heizungsoptimierung sind nicht mehr als Kredit der KfW förderfähig. Die Förderung entfällt sowohl für Wohngebäude (WG) als auch für Nichtwohngebäude (NWG). Die Fördermöglichkeit über einen Zuschuss des BAFA bleibt noch bis inkl. 14. August 2022 zu den bisherigen Konditionen erhalten. Danach werden auch hier die Fördersätze angepasst:

Insgesamt werden alle Fördersätze reduziert, aber teilweise durch neue Boni ausgeglichen.

Bonus für Heizungstausch und effiziente elektrische Wärmepumpen

Der Bonus für die Umsetzung eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) wird ab 15.08.22 nicht mehr für Heizungsanlagen gewährt, hier gibt es stattdessen einen neuen „Heizungstausch“-Bonus in Höhe von 10 %. Um den Bonus zu erlangen, muss eine funktionstüchtige Gasheizung (älter als 20 Jahre) oder eine Öl- / Kohle- bzw. Nachtspeicherheizung ausgebaut werden und das Gebäude künftig ohne fossile Energien beheizt werden. Für den Einbau elektrischer Wärmepumpen mit Wärmequelle Erdreich oder (Ab-)Wasser werden zusätzlich 5 % Bonus gewährt. Biomasseanlagen werden gegenüber anderen Heizungsanlagen künftig weniger stark gefördert.

Keine Förderung mehr für Gasheizungen

Mit fossilem Gas betriebene Wärmeerzeuger (z. B. Gas-Brennwertkessel, gasbetriebene Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, Gasstrahler, Gas-Wärmepumpen, Gas-Hybridheizungen) sind auch in der Sanierung nicht mehr förderfähig.

Effizienzhausförderung nur als Kredit und mit mehr als halbierter Förderung

Die Förderung als Investitionszuschuss über die BAFA wird ab 28.07.22 komplett gestrichen Die Sanierungsförderung zu Effizienzhäusern (EH) bzw. Effizienzgebäuden (EG) läuft damit komplett über die KfW. Hier wird das EH/EG 100 mit allen Unterstufen abgeschafft. Die Förderung der Sanierung von Baudenkmälern erfolgt noch mit 5 % statt 25 % Tilgungszuschuss. Für alle weiteren Effizienzhausstufen werden die Fördersätze um 25 Prozentpunkte gekürzt. Der 5 % Bonus bei Erreichen der EE-Klasse („Erneuerbare Energien“) oder NH-Klasse bleibt erhalten, der Bonus für individuelle Sanierungsfahrpläne (iSFP) entfällt hier komplett. Die geringeren Fördersätze sollen durch eine „deutliche Zinsvergünstigung bis etwa 15 %“ ausgeglichen werden:

Nur noch Kommunen können eine um jeweils 15 Prozentpunkte höhere Förderung als Investitionszuschuss erhalten.

Geringere Maximalbeträge für förderfähige Kredite

Die maximalen Kreditbeträge für Wohngebäude sinken von 150.000€ auf 120.000 € und für Nichtwohngebäude auf 2000 €/m² NGF bzw. max. 10 Mio. € pro Vorhaben. Das gilt sowohl für Neubau als auch Sanierung.

Fünf Prozent Bonus für die schlechtesten Bestandsgebäude (ab 22.09.2022)

Wenn ein Gebäude im Ausgangszustand zu den energetisch schlechtesten 25 % des Gebäudebestands gehört („Worst Performing Building“), wird bei Sanierung zum EH/EG 55 oder EH/EG 40 zukünftig ein WPB-Bonus von 5 % gewährt. EE- oder NH-Klasse sind als Kombination möglich.

 

Weiterführende Informationen finden Sie hier:

Förderkompass der Energieagentur Oberfranken - Ausgabe 08/2022

BMWK - Bundeswirtschaftsministerium legt Reform der Gebäudeförderung vor

energiewechsel.de (BMWK) - Antworten auf häufig gestellte Fragen zur BEG (FAQ)

BAFA - Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG): Neuerungen ab 15.08.2022

Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) | KfW